Neulich im Bundestag
Frau Präsidentin,
meine Damen und Herren,
unsere Bürgerinnen und Bürger erwarten von uns zweierlei: Sicherheit – und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Geld. Beides erreichen wir nicht mehr mit 27 fragmentierten Armeen, 27 Beschaffungen, 27 Standards.
Warum eine Euroarmee jetzt sinnvoll ist
Heute gibt Europa zusammen mehr für Verteidigung aus als Russland – aber wir bekommen dafür deutlich weniger Fähigkeiten, weil wir parallel entwickeln, doppelt beschaffen und aneinander vorbei planen. Das ist sicherheitspolitisch riskant und fiskalisch unverantwortlich.
Eine Euroarmee mit klaren gemeinsamen Strukturen würde Kräfte bündeln, Doppelstrukturen abbauen und die Verteidigungsfähigkeit des Kontinents endlich auf das Niveau unserer wirtschaftlichen Stärke heben.
Arbeitsteilung: Euroarmee und Landesarmeen
Die Landesarmeen bleiben das Rückgrat: Sie stellen Personal, regionale Präsenz, Territorialschutz, Katastrophenhilfe und Zivil‑Militär‑Zusammenarbeit sicher. Die Euroarmee übernimmt, was kein einzelner Staat effizient allein leisten kann: strategische Aufklärung, Luft‑ und Raketenabwehr, großskalige Drohnen‑ und Cyber‑Verteidigung, schwere Verbände für den Bündnisfall.
So behalten die Mitgliedstaaten ihre Nähe zu Bürgern und Parlamenten, während die teuren, hochkomplexen Fähigkeiten gemeinsam geplant, beschafft und betrieben werden.
Sparen im Frieden: weniger Verschwendung, mehr Wirkung
Im Frieden verschwenden wir heute Milliarden durch Kleinstserien, inkompatible Systeme und nationale Prestigeprojekte. Studien zeigen, dass gebündelte europäische Beschaffung – etwa bei Artillerie oder Luftabwehr – die Stückkosten massiv senken und gleichzeitig die Interoperabilität steigern kann.
Eine Euroarmee heißt: gemeinsame Standards, große Serien, eine stärkere europäische Rüstungsindustrie statt 27 kleiner Inseln – das stärkt nicht nur unsere Sicherheit, sondern auch Arbeitsplätze und Technologie in Europa.
Sparen im Krieg: Effizienz statt Blut und Materialschlachten
Im Ernstfall kostet jeder Tag eines unkoordinierten Krieges Milliarden – an Munition, Material und zerstörter Infrastruktur. Eine integrierte Euroarmee kann Kräfte dort konzentrieren, wo sie wirklich gebraucht werden, Versorgungslinien bündeln, Munition standardisiert einsetzen und Verteidigungsanlagen gemeinsam nutzen.
Das verkürzt Konflikte, reduziert Verluste an Menschenleben und Material und begrenzt die ökonomischen Folgekosten für unsere Gesellschaften.
Politische Kontrolle und demokratische Legitimation
Eine Euroarmee darf kein technokratisches Projekt sein, sondern muss demokratisch kontrolliert werden. Das bedeutet: Entscheidungen über Einsatz, Mandat und Budget gehören in die Hände der nationalen Parlamente und des Europäischen Parlaments, mit klaren Regeln für Lastenteilung und Solidarität.
Wer mehr Risiko trägt, muss auch mehr mitentscheiden; wer sich beteiligt, muss sich auf verbindliche Solidarität verlassen können.
Schlussappell
Meine Damen und Herren,
wir stehen vor der Wahl: Entweder jeder Staat versucht, allein eine „Mini‑Armee“ zu finanzieren – zu teuer, zu schwach, zu spät. Oder wir schaffen eine Euroarmee, in der die Landesarmeen zu einem gemeinsamen Schutzschirm zusammenwachsen: günstiger im Frieden, effizienter im Krieg, glaubwürdiger in der Abschreckung.
Europa ist längst eine Wirtschafts‑ und Wertegemeinschaft. Es ist Zeit, dass wir auch unsere Sicherheit gemeinsam verantworten.
Ich bitte Sie um Ihre Unterstützung für den Weg zu einer Euroarmee mit klarer Arbeitsteilung zu unseren Landesstreitkräften.